Ihr Website Relaunch – richtig geplant, sauber umgesetzt
Ein Website-Relaunch ist eines der riskantesten digitalen Projekte, die ein Unternehmen angehen kann – wenn er schlecht geplant wird. Rankings brechen ein, Nutzer finden sich nicht mehr zurecht, Leads bleiben aus. Gleichzeitig ist ein gut durchgeführter Relaunch die größte Wachstumschance Ihrer digitalen Präsenz.
Dieser Guide begleitet Sie durch alle sieben Phasen – von der ersten Analyse bis zum Monitoring nach dem Go-Live.
Phase 1: Ist-Analyse & Zieldefinition
Bevor auch nur ein Pixel neu gesetzt wird, müssen Sie verstehen, was Sie haben und was Sie erreichen möchten. Exportieren Sie alle aktuellen Rankings aus der Google Search Console (mind. 12 Monate rückwirkend). Notieren Sie, welche Seiten organischen Traffic liefern – diese URLs haben Priorität beim Erhalt der Linkstruktur. Analysieren Sie mit Hotjar oder Microsoft Clarity, wo Nutzer abspringen und wo sie klicken. Befragen Sie 5–10 bestehende Kunden: Was haben sie gesucht, als sie Sie gefunden haben? Was hat sie überzeugt? Was fehlte ihnen?
Definieren Sie anschließend messbare Ziele: nicht "mehr Leads", sondern "20 % mehr Anfragen über das Kontaktformular in Quartal 1 nach Relaunch". Diese Ziele steuern jede spätere Entscheidung.
Phase 2: Informationsarchitektur & Wireframes
Die Struktur Ihrer neuen Website entscheidet, ob Google sie versteht und ob Besucher sich zurechtfinden. Erstellen Sie eine URL-Mapping-Tabelle: Alte URL → Neue URL → 301-Redirect (oder "entfällt"). Jede Seite mit mehr als 50 organischen Klicks pro Monat braucht entweder eine neue Heimat oder einen sauberen Redirect.
Skizzieren Sie die neue Seitenstruktur als Baumdiagramm, bevor Sie wireframen. Jede wichtige Leistung gehört auf eine eigene Unterseite – keine Keyword-Kannibalisierung zwischen Geschwisterseiten. Wireframes validieren Sie nicht im Team, sondern mit echten Nutzern: Zeigen Sie drei Testpersonen aus Ihrer Zielgruppe den Wireframe und bitten Sie sie, eine typische Aufgabe (z. B. "Finden Sie heraus, was ein Projekt mit uns kostet") ohne Anleitung zu lösen.
Phase 3: Visuelles Design
Das Design folgt der Strategie, nicht umgekehrt. Legen Sie zunächst ein Design System fest: Farbpalette (max. 3 Kernfarben + Neutraltöne), Typografie-Hierarchie (Headline, Subheadline, Body, Caption), Abstands-Grid und Komponenten-Bibliothek. Arbeiten Sie mit echten Inhalten – Blindtext produziert falsche Designentscheidungen.
Prüfen Sie jeden Entwurf gegen WCAG 2.1 AA: Kontrastverhältnis min. 4,5:1 für Fließtext, 3:1 für große Schrift und UI-Elemente. Testen Sie das Design auf dem Smartphone Ihres wichtigsten Kunden-Segments, nicht nur auf dem neuesten iPhone.
Phase 4: Entwicklung & Content-Einpflege
Entwickeln Sie auf einem Staging-System mit Passwortschutz – nie auf der Live-Domain. Richten Sie von Anfang an strukturierte Daten (Schema.org) für Ihre wichtigsten Inhaltstypen ein: Organization, LocalBusiness, FAQPage, BreadcrumbList. Das verschafft Ihnen einen Vorteil in den SERPs, bevor Sie ihn sich erarbeitet haben.
Für den Content gilt: Texte, die auf der alten Seite Traffic gebracht haben, werden überarbeitet, nicht gelöscht. Neue Texte werden nach dem Hub-and-Spoke-Prinzip strukturiert – eine starke Pillar-Page pro Thema, mehrere verlinkte Cluster-Seiten für spezifische Unterthemen.
Phase 5: Testing & QA
Führen Sie vor dem Launch einen strukturierten QA-Durchlauf durch. Testen Sie jeden Formulartyp mit echten Daten und prüfen Sie, ob die E-Mail-Benachrichtigungen ankommen, die Daten korrekt gespeichert werden und die Danke-Seite (Conversion-Tracking!) korrekt lädt. Testen Sie alle interaktiven Elemente auf iOS Safari, Android Chrome, Firefox und Edge. Nutzen Sie Googles PageSpeed Insights für mobile und desktop – Core Web Vitals müssen grün sein.
Phase 6: SEO-Migration
Das ist die kritischste Phase. Führen Sie alle 301-Redirects in einer .htaccess-Datei (Apache) oder in Ihrer Next.js/Vercel-Konfiguration zusammen. Reichen Sie die neue XML-Sitemap sofort nach Go-Live in der Google Search Console ein und fordern Sie manuell ein Re-Crawl der wichtigsten URLs an. Behalten Sie Google Search Console und Ihr Analytics-Tool in den ersten 72 Stunden nach Launch stündlich im Blick. Brechen Sie mehr als 20 % des organischen Traffics gegenüber der Vorwoche ein und steigt die Crawl-Fehler-Rate, rollen Sie zurück.
Phase 7: Go-Live & Monitoring
Wählen Sie den Launch-Zeitpunkt mit Bedacht: Dienstagvormittag ist ideal – drei Werktage Puffer vor dem Wochenende, falls etwas schiefgeht. Kommunizieren Sie den Relaunch aktiv: E-Mail an Bestandskunden, Social-Media-Post, ggf. Pressemitteilung. Richten Sie sich ein Dashboard in Google Looker Studio ein, das Impressions, Klicks, Conversion Rate und Core Web Vitals in einer Ansicht zeigt. Planen Sie einen 30-Tage-Review-Termin ein, an dem Sie die Zielerreichung aus Phase 1 gegen die Realität prüfen.