Der Albtraum nach dem Neuanfang
Die neue Website ist da. Sie sieht fantastisch aus. Modernes Webdesign, knackige Headlines, großartige Bilder. Das Team feiert den Launch. Und zwei Wochen später bricht der Traffic im Google Analytics messbar um 60 Prozent ein. Die Anfragen bleiben aus.
Was ist passiert? Das Unternehmen hat sich auf das Sichtbare konzentriert – das Design – und das Unsichtbare komplett zerstört. Alte URLs laufen ins Leere, Inhalte sind verschwunden, interne Verlinkungen sind kaputt. Ein typischer Website-Relaunch-Fehler, der sich leicht vermeiden lässt.
Phase 1: Die Status-Quo-Analyse
Bevor auch nur ein einziger Pixel der neuen Seite gezeichnet wird, müssen Sie wissen, was derzeit gut funktioniert. Eine SEO-Agentur nennt das Crawling. Sie müssen jede existierende URL Ihrer aktuellen Website exportieren und sich ansehen, welche dieser Seiten Traffic bringen.
Werden Seiten im neuen Design gelöscht, die aktuell Rankings besitzen? Dann muss abgewogen werden: War der Traffic irrelevant? Oder verbrennt man gerade wertvolles organisches Potenzial? Oft stellen wir fest, dass alte, unschöne Blogartikel überraschend viel Traffic generieren. Es ist oft sinnvoller, diese Inhalte aus inhaltlicher Content Marketing Strategie in modernem Gewand zu übernehmen, als sie einfach zu löschen.
Phase 2: Die heilige 301-Weiterleitungsliste
Das ist das wichtigste Dokument Ihres gesamten Relaunch-Projekts. Die 301-Weiterleitung ist der Nachsendeauftrag im Internet. Sie sagt Google: "Die Seite, die vorher unter /produkte lag, liegt jetzt dauerhaft unter /leistungen/produkte."
Wenn Sie das nicht tun, wirft Google die alten Seiten aus dem Index. Alle Backlinks (Links von anderen Websites auf Ihre Beiträge), die auf die alten URLs gezeigt haben, verlieren ihre SEO-Kraft, weil sie auf eine Fehlerseite (404) führen. Jede alte URL muss zwingend auf die inhaltlich passendste neue URL weitergeleitet werden.
Phase 3: Technisches SEO auf der Staging-Umgebung prüfen
Bauen Sie die neue Website nicht im Live-Betrieb um. Sie benötigen eine Testumgebung (Staging). Überprüfen Sie hier bereits die typischen Fettnäpfchen: - Ist die Seite vorerst für Suchmaschinen gesperrt (NoIndex)? Das ist gut – vergessen Sie aber bloß nicht, diese Sperre beim echten Launch herauszunehmen. - Funktionieren Ihre Meta-Titles und Descriptions? - Ist die Seitengeschwindigkeit im grünen Bereich? Ein performantes, maßgeschneidertes Webdesign ist entscheidend, um die Core Web Vitals von Beginn an zu erfüllen.
Phase 4: Launch und Monitoring
Am Tag der Umstellung passieren meistens Fehler. Das ist normal. Entscheidend ist, wie schnell sie entdeckt werden. Behalten Sie die Google Search Console penibel im Auge. Wenn dort die 404-Fehler hochschießen, haben Sie bei der Weiterleitungsliste geschludert und müssen sofort nachbessern.
Rechnen Sie immer mit leichten Schwankungen im Ranking in den ersten vier bis sechs Wochen nach einem Relaunch. Google muss die neue Struktur erst verarbeiten. Wenn Sie diese Blaupause befolgen, kehren Ihre Positionen jedoch nicht nur zurück – sie steigen meistens, weil Sie Technik und UX massiv verbessert haben.